Anfragen und Ausschreibungen finden: 7 Quellen für Hersteller
Wo Hersteller Anfragen und Ausschreibungen finden: B2B-Plattformen, service.bund.de und TED, Fördermittelempfänger, Messen, Empfehlungen, eigene Website.

Auf dieser Seite
- 1. B2B-Plattformen und Anfragebörsen
- 2. Öffentliche Ausschreibungen: service.bund.de, Länderportale und TED
- 3. Fördermittelempfänger
- 4. Fachmessen
- 5. Empfehlungen von Kunden und Partnern
- 6. Eigene Website und Google
- 7. Nischenseiten
- Die Quellen im Vergleich
- So wählen Sie Ihren Start-Mix
- Anfragen, die nur bei Ihnen ankommen
Hersteller bekommen Anfragen und Aufträge aus sieben Hauptquellen: B2B-Anfrageplattformen, öffentlichen Ausschreibungen, Fördermittelempfängern, Fachmessen, Empfehlungen, der eigenen Website mit Google und schmalen Nischenseiten. Die ersten drei liefern Menge, aber dieselbe Menge, die auch Ihr Wettbewerb sieht. Die letzten drei liefern weniger Anfragen, dafür von Käufern, die gezielt Sie gesucht haben. Bewährt hat sich eine Kombination: eine „breite“ Quelle für die laufende Auslastung und eine „eigene“ Quelle, die Marge aufbaut.
Im Folgenden jede Quelle einzeln: wie sie funktioniert, wie viel Aufwand sie macht und für wen sie passt.
1. B2B-Plattformen und Anfragebörsen
Auf Anfrageplattformen stellen Einkäufer ihren Bedarf ein, passende Anbieter werden benachrichtigt und geben Angebote ab. In Deutschland gibt es mehrere solcher Portale für Lohnfertigung und Industriebedarf, dazu internationale Marktplätze für Teile und Auftragsfertigung. Die Modelle unterscheiden sich: Abo, Gebühr pro Anfrage oder Provision auf den Auftrag.
Vorteile: schneller Start, regelmäßiger Strom an Anfragen, gut zum Füllen freier Kapazitäten.
Nachteile: Dieselbe Anfrage geht an viele Anbieter, das Gespräch landet schnell beim Preis. Die Qualität schwankt: Neben ernsthaften Aufträgen gibt es Anfragen, die nur „zum Vergleich“ gestellt werden.
Für wen: Betriebe mit Standardleistungen wie Zerspanung, Schweißen, Laserschneiden oder Verpackungsdruck, die schnell kalkulieren und über Liefertermine punkten können.
2. Öffentliche Ausschreibungen: service.bund.de, Länderportale und TED
Aufträge des Bundes werden auf service.bund.de veröffentlicht, Länder und Kommunen nutzen zusätzlich eigene Vergabeplattformen. Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte erscheinen außerdem in TED, dem Amtsblatt-Supplement der EU für öffentliche Aufträge. Die Recherche ist kostenlos, und über TED finden Sie Ausschreibungen aus der ganzen EU an einer Stelle.
Vorteile: transparente Regeln, sicherer Zahler, große und wiederkehrende Aufträge. TED öffnet Auslandsmärkte ohne Vermittler.
Nachteile: viel Formales (Nachweise, Eigenerklärungen, Fristen), der Preis wiegt oft am schwersten, und ein Angebot kostet Tage. Ohne jemanden, der das Vergaberecht kennt, scheitert man leicht an einer Formalie.
Für wen: Hersteller mit Nachweisen, Referenzen und Kapazität für große Aufträge, und mit einer Person im Haus, die Bekanntmachungen regelmäßig verfolgt.
3. Fördermittelempfänger
Unternehmen, die mit Fördermitteln investieren, müssen häufig Vergleichsangebote einholen, bevor sie bestellen. Die Vorgaben stehen in den Bedingungen des jeweiligen Förderprogramms. In manchen EU-Ländern werden solche Anfragen sogar öffentlich ausgeschrieben, in Polen etwa in der Datenbank „Baza Konkurencyjności“. In Deutschland laufen sie meist direkt per E-Mail an ausgewählte Lieferanten. Gekauft werden oft Maschinen, Fertigungslinien, Hallenausstattung und Dienstleistungen.
Vorteile: private Käufer mit bewilligtem Budget, weniger Formalitäten als bei einer öffentlichen Vergabe.
Nachteile: kurze Fristen, harter Preiswettbewerb, und ohne Kontakt zum Käufer erfahren Sie oft gar nicht von der Anfrage.
Für wen: Lieferanten von Maschinen, Stahlbau, Ausrüstung und investiven Dienstleistungen, die bei Investoren bereits als Ansprechpartner bekannt sind.
4. Fachmessen
Hannover Messe, EMO, Blechexpo oder FachPack: Auf Fachmessen kommen Ingenieure und Einkäufer weiterhin mit konkreten Projekten an den Stand. Ein Messekontakt ist selten sofort eine Anfrage, wird aber oft einige Wochen später eine.
Vorteile: persönliches Gespräch, schneller Vertrauensaufbau, Produkt und Betrieb lassen sich zeigen.
Nachteile: hohe Kosten für Stand, Reise und Arbeitszeit. Der Effekt kommt verzögert, und ohne Disziplin beim Erfassen von Kontakten und Einwilligungen bleibt nach der Messe ein Stapel Visitenkarten.
Für wen: für Firmen, deren Produkt man sehen muss, und für alle, die einen neuen Markt betreten.
Wichtig: Fragen Sie schon am Stand, ob Sie per E-Mail oder Telefon nachfassen dürfen, und dokumentieren Sie die Antwort. Nach §7 UWG braucht Werbung per E-Mail die vorherige ausdrückliche Einwilligung, auch gegenüber Unternehmen. Für Werbeanrufe bei Unternehmen genügt zwar eine mutmaßliche Einwilligung, die Hürde dafür ist aber hoch. Eine übergebene Visitenkarte ist für sich allein keine ausdrückliche Einwilligung in E-Mail-Werbung. Stand: Oktober 2026, keine Rechtsberatung.
5. Empfehlungen von Kunden und Partnern
Empfehlungen sind in der Auftragsfertigung nach wie vor die wertvollsten Anfragen. Der Kunde bringt Vertrauen mit, das man nicht kaufen kann, und schickt dieselbe Anfrage seltener an zehn Betriebe.
Vorteile: höchste Abschlussquote und meist die beste Marge.
Nachteile: nicht steuerbar. Sie kommen, wann sie kommen, und wachsen nicht mit Ihrer Kapazität.
So stärken Sie sie: Bitten Sie zufriedene Kunden um Freigabe für eine Referenz, vereinbaren Sie mit Konstruktionsbüros und Betrieben aus Nachbargewerken gegenseitige Empfehlungen, und fragen Sie nach einem gut abgeschlossenen Projekt einfach, wem Sie noch helfen können.
6. Eigene Website und Google
Ein Konstrukteur oder Einkäufer, der „Laserschneiden Edelstahl NRW“ oder „Stahlbau Hersteller“ sucht, beginnt bei Google. Zeigt Ihre Website konkrete Fähigkeiten (Werkstoffe, Blechstärken, Toleranzen, Losgrößen, Zertifikate) und lässt das Formular einen Zeichnungsupload zu, geht die Anfrage nur an Sie.
Vorteile: Anfragen von Käufern, die genau Ihre Spezialisierung gesucht haben. Kein Vermittler, der für den Zugang kassiert. Der Kanal wächst mit der Zeit.
Nachteile: SEO braucht Monate, Google Ads ein stetiges Budget und saubere Einrichtung. Eine Visitenkarten-Webseite mit drei Hallenfotos bringt keine Anfragen.
Für wen: für jeden Hersteller, der weniger von Plattformen und Ausschreibungen abhängen will. Wie Sie Anzeigen auf Anfragen ausrichten, steht im Beitrag Google Ads für B2B.
7. Nischenseiten
Eine eigene Seite oder Landingpage für eine Leistung und einen Käufertyp, etwa „CNC-Bearbeitung von Aluminium für den Lebensmittelmaschinenbau“ oder „Palettenregale mit Montage“, fängt oft Anfragen, die die allgemeine Firmenwebseite nie bekommt. Der Käufer sieht sofort, dass er beim Spezialisten gelandet ist. Eine fokussierte Landingpage ist zudem der günstigste Weg, die Nachfrage nach einer neuen Leistung zu testen.
Vorteile: präzise Anfragen, leichtere Rankings für konkrete Suchbegriffe, neue Leistungen lassen sich testen, ohne die ganze Website umzubauen.
Nachteile: Jede Seite braucht Inhalt, Pflege und Besucher. Ohne SEO oder Anzeigen bleibt sie leer.
Für wen: für Betriebe mit mehreren klaren Spezialisierungen oder mit freier Kapazität in einer Technologie.
Die Quellen im Vergleich
| Quelle | Wettbewerb pro Anfrage | Aufwand | Zeit bis zu ersten Anfragen |
|---|---|---|---|
| B2B-Plattformen | hoch | niedrig bis mittel | Tage |
| Öffentliche Ausschreibungen | hoch | hoch | Wochen |
| Fördermittelempfänger | mittel bis hoch | mittel | Tage bis Wochen |
| Fachmessen | mittel | hoch | Wochen bis Monate |
| Empfehlungen | niedrig | niedrig | unvorhersehbar |
| Eigene Website und Google | niedrig bis mittel | mittel | Wochen (Ads) bis Monate (SEO) |
| Nischenseiten | niedrig | mittel | Wochen bis Monate |
Die Bewertung ist qualitativ und beruht darauf, wie diese Kanäle funktionieren, nicht auf einer Messung.
So wählen Sie Ihren Start-Mix
- Notieren Sie, woher die Aufträge der letzten 12 Monate kamen und welche die beste Marge hatten.
- Wählen Sie eine breite Quelle (Plattform, Ausschreibungen oder Fördermittelempfänger) für die laufende Auslastung.
- Wählen Sie eine eigene Quelle (Website, Google oder Nischenseite), die binnen eines Jahres einen Teil der Anfragen übernehmen soll.
- Legen Sie fest, wer Anfragen beantwortet und wie schnell. Ein Angebot nach drei Tagen kommt oft nach der Entscheidung.
- Vergleichen Sie jedes Quartal Anfragen, Angebote und Aufträge je Quelle.
Einen breiteren Überblick, inklusive LinkedIn, Branchenverzeichnissen und Händlern, gibt der Beitrag Neukundengewinnung in der Industrie.
Anfragen, die nur bei Ihnen ankommen
Wenn Sie Anfragen von Firmen wollen, die selbst nach einem Hersteller suchen, statt von einer Börse, auf der zwanzig Wettbewerber antworten, sehen Sie sich an, wie unsere Leadgenerierung für Hersteller funktioniert. Vereinbaren Sie ein kostenloses Gespräch, und wir sagen Ihnen, ob in Ihrer Nische genug Nachfrage besteht.
FAQ
Fragen von Händlern
Wo finde ich öffentliche Ausschreibungen kostenlos?
Bundesaufträge stehen auf service.bund.de, Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte zusätzlich in der EU-Datenbank TED. Viele Bundesländer und Kommunen nutzen eigene Vergabeplattformen. Die Suche ist kostenlos, private Ausschreibungsdienste bündeln die Quellen gegen Gebühr.
Lohnen sich kostenpflichtige Anfrageplattformen?
Ja, wenn in Ihrer Kategorie regelmäßig Anfragen erscheinen und Sie schnell kalkulieren können. Dieselbe Anfrage sehen meist viele Anbieter, also entscheiden Tempo und Preis. Testen Sie die Plattform und zählen Sie die Anfragen in Ihrer Kategorie, bevor Sie ein Abo abschließen.
Was ist der Unterschied zwischen Ausschreibung und Angebotsanfrage?
Eine öffentliche Ausschreibung folgt dem Vergaberecht, mit formalen Unterlagen, Fristen und Zuschlagskriterien. Eine Angebotsanfrage ist meist eine einfache Preisanfrage eines Unternehmens oder eines Fördermittelempfängers, der Vergleichsangebote einholen muss.
Welche Quelle bringt die besten Margen?
Meist die, bei denen der Käufer nicht sofort ein Dutzend Angebote vergleicht: Empfehlungen und Anfragen über die eigene Website. Der Käufer kommt zu Ihnen, weil er Ihre Spezialisierung gesucht hat, nicht den niedrigsten Preis.


